Von Johannesburg über den Blyde River Canyon zum Kruger Nationalpark
Am 7.1.2023 fliegen wir von Frankfurt nach Johannesburg, wo wir am Morgen des 8.1. ankommen. Die ganze Reise über haben wir sicherheitshalber FFP2 Masken getragen, um uns nicht im letzten Moment noch mit COVID anzustecken. Die Einreiseformalitäten sind völlig unproblematisch, sogar der Pass unseres kleiner Balus wird abgestempelt! Am Flughafen treffen wir unsere Mitfahrer und York und Kathi, unsere Reiseleiter.




Nach unserer Ankunft am Sonntagmorgen geht es gleich auf eine Stadtrundfahrt in Johannesburg. Wir fahren über verkehrsreiche Schnellstraßen an der von Hochhäusern geprägten Innenstadt vorbei zum „Constitution Hill“. Die Innenstadt wirkt gesichtslos und wenig anziehend und gilt als unsicher, daher wird sie nicht besichtigt. Johannesburg verdankt seine Existenz dem Fund von großen Mengen Gold im Jahr 1886. Unter der Stadt gibt es unzählige Minen, die heute allerdings erschöpft und mit Wasser geflutet sind.
„Constitution Hill“ ist eine interessante Kombination aus dem Verfassungsgericht Südafrikas und einem Museum um das berüchtigte Gefängnis „Old Fort Prison“ herum, in dem auch Nelson Mandela inhaftiert war. Zu sehen ist auch eine Ausstellung moderner Kunst, die sich mit der üblen Zeit der Apartheid befasst. Die ganze Gegend drumherum besteht aus Vierteln, die wir als Elendsviertel bezeichnen würden und in die man keinen Fuß setzen möchte. Viele schwarze Menschen leben hier eng gedrängt in heruntergekommenen Wohnblocks inmitten von Müll. Die sozialen Gegensätze in Johannesburg erscheinen einem Europäer als krass!







Richtig wohl fühlen tut man sich in Johannesburg nicht. In den besseren Wohngegenden sind alle Häuser von hohen Mauern umgeben, auf die entweder Stacheldraht oder Elektrozäune oder auch beides aufgesetzt sind. Hier leben überwiegend Weiße und coloured Menschen. Hier gibt es auch viele Malls im amerikanischen Stil. Weiter außerhalb liegen dann die schwarzen Townships. Auf der Fahrt zu unserer Lodge sehen wir an der Autobahn viele von ihnen. Manche erscheinen ganz okay, d.h. sie bestehen aus eng aneinander gebauten, gemauerten kleinen Häuschen und man sieht Strommasten und Satellitenschüsseln. Viele aber sind erbärmlich: Hütten aus Wellblech, ohne Strom und Wasserversorgung. Die Menschen überqueren mit Kanistern oder Eimern die Autobahn, um Wasser zu holen. Dann gibt es noch die ganz schlimmen: aus Brettern und Plastikplanen zusammengeschusterte Notquartiere. Alle sind schlecht zu erreichen, was die vielen Schwarzafrikaner erklärt, die zu Fuß entlang der Autobahn unterwegs sind. Kleine private Busse setzen die Leute in der Nähe ihrer Townships ab und den Rest des Weges müssen sie dann laufen. Von unserem Guide hören wir, dass es in den Townships keine Adressen und keine Meldepflicht gibt. Niemand zahlt für Strom und Wasser (so vorhanden) und die Regierung traut sich aus Angst vor Revolten auch nicht, dies durchzusetzen.
Wir privilegierte Reisende sind in der Cradle Moon Lodge komfortabel untergebracht. Jedes Paar bewohnt eine zauberhafte Rundhütte (Rondavel), umgeben von afrikanischer Landschaft mit freilaufenden Zebras und vielen Springböcken. Am Abend gibt es ein Willkommensessen. Wir lernen nicht nur unsere Mitreisenden kennen, sondern auch zwei südafrikanische Spezialitäten. Eine Beilage namens „Papp“, die so schmeckt, wie sie heißt und das „load shedding“. Das bezeichnet geplante Stromabschaltungen, die regional unterschiedlich mehrere Stunden am Tag erfolgen. So soll verhindert werden, dass es wegen Überlastung des Stromnetzes zu einem Blackout kommt. Tankstellen, Geschäfte, Restaurants und alle Privathaushalte, die es sich leisten können benutzen in dieser Zeit eigenen Generatoren. So auch in unserer Unterkunft: es wird kurz dunkel, dann springt der Generator an. Auf Campingplätzen wird es aber in Zukunft häufig so sein, dass man sich mit Stirnlampe in den dunklen Sanitärgebäuden zurecht finden muss.


Am nächsten Tag besichtigen wir Pretoria und das über der Stadt gelegene Voortrecker Denkmal, das an die burischen Siedler erinnert, die sich mit ihren Familien auf Ochsenwagen ins Innere Südafrikas zurückgezogen haben, um sich nicht den Engländern unterwerfen zu müssen. Im Inneren des überdimensionierten Baus findet man große Fresken aus Carrara Marmor, die die verschiedenen Schlachten gegen die Zulus darstellen. Die Helden und ihre Familien in der Wagenburg, die bösen Zulus draußen. Sehr weiß, sehr afrikaans, das hinterlässt beim europäischen Besucher ein ungutes Gefühl. Ganz sicher keine ausgewogene Darstellung, die beide Seiten zu Wort kommen lässt. Obwohl man den Mut und die Ausdauer der burischen Siedler anerkennen muss, die mit ihren Familien mit ihren Ochsenkarren ins unwegsame Ungewisse gezogen sind.






Pretoria ist die Regierungshauptstadt und die führende Hochschulstadt Südafrikas. In der Innenstadt gibt es noch viele historische Bauten, aber etwas heruntergekommen wirkt die Stadt schon. Vielleicht sind aber auch nur unsere europäischen Maßstäbe nicht passend.
Das Parlament liegt in einem schönen und gepflegten Park auf einer Anhöhe oberhalb der Stadt, drumherum von Jacarandabäumen gesäumte Straßen, in denen die Botschaften untergebracht sind. Im Park des Parlaments steht eine riesige Nelson Mandela Statue und blickt hinüber zum Voortrecker Monument. Irgendwie typisch für die Gegensätze, die das Land prägen! Am Abend wird noch der Papierkram (Versicherungen) für die Wohnmobilübernahme vorbereitet.


Am nächsten Tag geht die Reise per Wohnmobil los. Wir brechen mit dem Bus sehr früh zur Vermietung Maui auf, um die Wohnmobile zu übernehmen. Das Auto hat gerade mal 8000 km auf dem Buckel, wirkt aber außen und auch innen nicht so neu. Später auf der Reise wird uns klar werden, dass dies bei der Beanspruchung der Fahrzeuge kein Wunder ist. Dafür ist die gesamte Küchenausstattung und das Bettzeug neu, wird also wohl nach jeder Vermietung erneuert. Wir verlieren viel Zeit, weil wir reklamieren, dass die Moskitonetze vor den Fenstern nicht schließen. Da wir über drei Wochen im Malariagebiet unterwegs sein werden, stellt das aus unserer Sicht ein Sicherheitsrisiko dar. Das Ganze ist typisch für Afrika: in jedem Wohnmobil sind die Moskitonetzte und Vorhänge mit Druckknöpfen befestigt, aber die Befestigungspunkt sind in allen Autos unterschiedlich. Zum Waschen werden die Vorhänge löblicherweise abgenommen, danach aber nicht mehr dem Auto zugeordnet, zu dem sie passen. Beim vierten Set Vorhänge sind sie nun zumindest so groß, dass sie passen könnten, wenn unser mitreisender Mechaniker Solomon neue Druckknöpfe anbringt. Das tut er dann auch an einem der nächsten Abende. Dass die Wände rund um die Fenster danach einem Schweizer Käse ähneln, stört hier niemanden.
Es wird Mittag bis wir loskommen, denn der Lebensmitteleinkauf muss auch noch erledigt werden. Das Tagesziel liegt nordöstlich von Johannesburg bei Sabie, immerhin 375 km bei ungewohntem Linksverkehr. Unser Fahrzeug mit einem in Südafrika gefertigten Aufbau auf Mercedes Chassis fährt sich prima. Nur die Rückspiegel stellen ein echtes Sicherheitsrisiko dar. Sie gehören zum normalen Sprinter ohne Aufbau, d.h. man kann nicht am Aufbau vorbeischauen, und sieht nicht, was sich rechts und links hinter dem Fahrzeug tut.


Drei Viertel der Strecke ist Autobahn. Wir halten uns akribisch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. In einer 80-er Begrenzung werden wir trotzdem von der Polizei angehalten. „How are you Madam? Driving 100 in a 80 zone?“ Ich reagiere spontan und sage ziemlich energisch, das sei unmöglich. Ich bin auch maximal 70 gefahren, weil wir vorgewarnt waren. Tatsächlich geben die Polizisten sofort klein bei und meinen, dass wahrscheinlich ihr Gerät defekt sei!
Die Landschaft mutet wenig afrikanisch an: weite Maisfelder, Bergbauregionen, viele Kohlekraftwerke, die Dreck in die Gegend blasen. Trotzdem ist der Strom so knapp, dass er rationiert, d.h. stundenweise abgeschaltet wird. Hotels, Institutionen und besser gestellte Privatleute nutzen dann ihre Generatoren. Das öffentliche Leben ist davon wenig beeinträchtigt, Tanken, Einkaufen, Bezahlen mit Karte funktionieren immer und überall einwandfrei.
Als wir die Berge erreichen, ändert sich das Landschaftsbild. Im Tal sind wir noch an Bananenplantagen und Zitrusbäumen vorbei gefahren, weiter oben prägt intensive Holzwirtschaft das Bild. Ausgedehnte Wälder aus Eukalyptusbäumen, später dann Sugar Pines. Nur die Orte muten afrikanisch an, ein Durcheinander aus Menschen, Markständen und Geschäften. Eine Trennung in weiße, coloured und schwarze Wohngebiete sehen wir hier nicht mehr.



Wir übernachten nahe dem Ort Sabie auf dem hübsch gelegenen Campingplatz „Merry Pebbles „. Am Abend essen wir im Lokal des Campingplatzen, die Spezialität des Hauses sind Forellen. Der Service ist extrem langsam und es wird spät. So kommen wir nicht mehr dazu, unsere Sachen im Wohnmobil in den Schränken zu verstauen.
Am nächsten Morgen fahren wir auf der „Panorama Route“ an verschiedenen Wasserfällen vorbei von Sabie (ca. 9000 Einwohner) nach Graskop (ca. 4000 Einwohner). Beide Orte sind Landstädtchen mit meist eingeschossigen Häusern und einer von einfachen Läden gesäumten Hauptstraße und erinnern an Orte aus alten Western.





Dann geht es immer entlang des Blyde River Canyons. Da wir an seinem anderen Ende übernachten, können wir alle Aussichtspunkte anschauen und auch zwei kleine Wanderungen machen. Der Canyon ist über weite Bereiche gar kein Canyon, sondern eine steile Abbruchkante von 1800 m hinunter auf 800 m. Man hat einen wunderbaren Blick hinunter in den Canyon oder über die weite Tiefebene (Lowveld genannt) bis hin zum Kruger Nationalpark.




Auf der Hochebene ist die Landschaft wunderbar grün mit sanften Hügeln und felsigen Bereichen. Es gibt zwei Flüsse: den Treur River (Trauerfluss) und den Blyde River (Fluss der Freude). Eine Gruppe Voortrecker ist mit ihren Ochsenkarren durch diese unwegsame Gegend gezogen. Am Fluss der Trauer warteten die Frauen und Kinder zwei Monate auf den Trupp der Männer, am Fluss der Freude fanden sie sich wieder. An der Einmündung des Treur River in den Blyde River hat sich durch Erosion ein kleinerer Canyon im roten Sandstein gebildet. Hier, an den Burkes’s Luck Potholes, kehren wir zum Lunch ein und machen eine kleine Wanderung hinunter zum Fluss.









Leider kommen wir so spät an, dass wir den schönen Pool des Campingplatzes nicht mehr ausprobieren können. Schnell etwas essen und dann zur Vorstellungsrunde!
Meist sind die Campingplätze in Südafrika schön. Die Stellplätze sind sehr groß und fast immer mit einer Feuerstelle ausgestattet, denn der Südafrikaner grillt ausgesprochen gerne am offenen Feuer. Sie wurden überwiegend während der Apartheid angelegt, als Südafrikaner nicht ins Ausland reisen konnten. Für uns ungewöhnlich ist nur, dass es in den Sanitärräumen der Damen immer Badewannen gibt, oft sogar mehr Wannen als Duschen. Es schaudert einem bei dem Gedanken, in einer solchen Wanne zu baden, man möchte doch den Körperkontakt mit zweifelhaft gereinigten Flächen so gering wie möglich halten.


Am nächsten Morgen geht es die gleiche Strecke wieder zurück bis nach Graskop. So können wir die schöne Landschaft nochmals genießen. Wir sehen auch Paviane am Straßenrand. Hinter Graskop führt die Straße steil ins Tal hinunter. Erst prägt intensive Forstwirtschaft die Gegend, ab 800 m beginnen dann die Bananenplantagen. In Hazyview decken wir uns in der riesigen Lowveld Mall mit Lebensmitteln für die nächsten drei Tage im Kruger Park ein. Hier haben wir unsere erste Begegnung mit Car Watchern. Auf jedem Supermarkt Parkplatz findet man Männer mit Warnwesten, die einen gleich auf einen geeigneten Parkplatz winken. Das weitere Procedere geht so: der Herr des Wohnmobils schaut dem Watcher tief in die Augen und sagt: „You watch my car“. Nun kann man in Ruhe einkaufen gehen, ohne Sorge haben zu müssen, dass das Auto ausgeraubt wird. Natürlich ist bei der Rückkehr ein Obulus fällig, ca. 5 bis 10 Rand, also maximal 50 Cent.

